Spätes Nachdenken über die „Shades of Grey“
Wer erinnert sich noch an die „Fifty Shades of Grey“? Bestimmt nicht jene, die nach zutreffenden Informationen über „Gewalt gegen Frauen“ suchen. Literarisch ist die Trilogie eine Katastrophe, die Inhalte sind mit fragwürdigen SM-Beschreibungen gespickt. (1) Doch das Einzige, was wirklich zählte, war die Tatsache, dass eine enorme Anzahl von Leserinnen mittleren Alters das Buch Zeile für Zeile verschlungen hat.
Das mussten auch jene Wissenschaftlerinnen zugeben, die das Buch zwiespältig sahen. Hatte das Buch aus dem Jahr 2011 etwa „Missbrauchsnormen“ verfestigt? Und was ist davon nach nunmehr 15 Jahren noch erkennbar?
Ich lese:
Haben Erotik-Autorinnen und Autoren die Macht, Normen zu verändern?
Sollte es stimmen, dann würde den Schreibenden und ihren Büchern eine enorme Macht zugewiesen, und ja, das ist schon einmal vorgekommen. Doch damals haben Bücher noch einen ganz anderen Stellenwert gehabt. Wie war es doch noch mit Harriet Beecher Stowe? Ja, ihr Buch veränderte die Welt (2) .
Die Heldin und die Leserin - wie komm der Roman ins Gehirn?
Wie aber kann ein Buch die Welt verändern, wenn es sich um ein modernes Märchen handelt, die Neuauflage einer Cinderella-Geschichte mit viel „Aua“? Und warum haben es Millionen von Frauen gelesen? Sie haben, wie so viele Lesende, die Heldin mit sich selbst verglichen. Und sie haben sich gefragt, wessen Leben erregender war - das von Anastasia oder das Eigene?
Die seltsamen Formen der Erregung
Erotische Romane werden konsumiert, weil es dort seltsame Formen körperlicher und mentaler Erregung gibt. Das gilt auch für solche, die einen betont schlechten Stil haben, nicht von literarischer Qualität zeugten oder völlig absurde Inhalte hatten. Das Absurde gehört geradezu zum erotischen Roman wie das Salz zur Suppe.
Wo das Bild der erotischen Romane entsteht
Und noch etwas: Fragen wir uns doch nur einen winzigen Moment, wo sich Schmerz und Lust paaren. Wir werden dann feststellen, dass sie sich in den geheimen Kammern unserer Gehirne verbinden und verborgene Gefühle freisetzen. Die Geschichte, die wir im Buch lesen, kann als Auslöser gelten, doch sie stimmen nicht mit der Sichtweise überein, die wir selbst von dieser Geschichte haben. Die schwarzen Buchstaben auf weißem Papier werden in plastische Bilder umgewandelt, die nur wir selbst sehen und erleben können.
Das übrigens unterscheidet geschriebene Erotik von erotischen Handlungen in den einschlägigen Videos. Wer einen erotischen Roman liest, findet seine eigene Interpretation der Gefühle. Wer hingegen einen pornografischen Film sieht, findet die Auswirkungen in Bildern vor, die kaum noch eine Interpretation ermöglichen.
(1) Sehpferd nimmt ausschließlich Bezug auf die Druckausgabe. Deutsche Ausgabe unter dem Titel "Shades of Grey" - "Geheimes Verlangen", deutsche Erstausgabe, München 2012.
(2) Uncle Tom’s Cabin, erschienen 1852.
Hinweis: Sehpferd verweist hier nur auf einen Artikel über die Studie. Die Studie selbst wurde in zahlreichen Medien erwähnt. Sie datiert von 2013, wurde also bereits kurz nach dem Erscheinen des Buches (2011/2012) veröffentlicht. Insofern ist dies ein Rückblick.
Das mussten auch jene Wissenschaftlerinnen zugeben, die das Buch zwiespältig sahen. Hatte das Buch aus dem Jahr 2011 etwa „Missbrauchsnormen“ verfestigt? Und was ist davon nach nunmehr 15 Jahren noch erkennbar?
Ich lese:
Trotz des Mangels an empirischen Studien zu diesem Thema weisen Wissenschaftler darauf hin, dass Menschen ihre realen Überzeugungen und Einstellungen regelmäßig als Reaktion auf fiktionale Darstellungen ändern.
Haben Erotik-Autorinnen und Autoren die Macht, Normen zu verändern?
Sollte es stimmen, dann würde den Schreibenden und ihren Büchern eine enorme Macht zugewiesen, und ja, das ist schon einmal vorgekommen. Doch damals haben Bücher noch einen ganz anderen Stellenwert gehabt. Wie war es doch noch mit Harriet Beecher Stowe? Ja, ihr Buch veränderte die Welt (2) .
Die Heldin und die Leserin - wie komm der Roman ins Gehirn?
Wie aber kann ein Buch die Welt verändern, wenn es sich um ein modernes Märchen handelt, die Neuauflage einer Cinderella-Geschichte mit viel „Aua“? Und warum haben es Millionen von Frauen gelesen? Sie haben, wie so viele Lesende, die Heldin mit sich selbst verglichen. Und sie haben sich gefragt, wessen Leben erregender war - das von Anastasia oder das Eigene?
Die seltsamen Formen der Erregung
Erotische Romane werden konsumiert, weil es dort seltsame Formen körperlicher und mentaler Erregung gibt. Das gilt auch für solche, die einen betont schlechten Stil haben, nicht von literarischer Qualität zeugten oder völlig absurde Inhalte hatten. Das Absurde gehört geradezu zum erotischen Roman wie das Salz zur Suppe.
Wo das Bild der erotischen Romane entsteht
Und noch etwas: Fragen wir uns doch nur einen winzigen Moment, wo sich Schmerz und Lust paaren. Wir werden dann feststellen, dass sie sich in den geheimen Kammern unserer Gehirne verbinden und verborgene Gefühle freisetzen. Die Geschichte, die wir im Buch lesen, kann als Auslöser gelten, doch sie stimmen nicht mit der Sichtweise überein, die wir selbst von dieser Geschichte haben. Die schwarzen Buchstaben auf weißem Papier werden in plastische Bilder umgewandelt, die nur wir selbst sehen und erleben können.
Das übrigens unterscheidet geschriebene Erotik von erotischen Handlungen in den einschlägigen Videos. Wer einen erotischen Roman liest, findet seine eigene Interpretation der Gefühle. Wer hingegen einen pornografischen Film sieht, findet die Auswirkungen in Bildern vor, die kaum noch eine Interpretation ermöglichen.
(1) Sehpferd nimmt ausschließlich Bezug auf die Druckausgabe. Deutsche Ausgabe unter dem Titel "Shades of Grey" - "Geheimes Verlangen", deutsche Erstausgabe, München 2012.
(2) Uncle Tom’s Cabin, erschienen 1852.
Hinweis: Sehpferd verweist hier nur auf einen Artikel über die Studie. Die Studie selbst wurde in zahlreichen Medien erwähnt. Sie datiert von 2013, wurde also bereits kurz nach dem Erscheinen des Buches (2011/2012) veröffentlicht. Insofern ist dies ein Rückblick.


