Flirten - das sinnliche Zündeln mit der Lust

Flirten ist der Versuch, gleichzeitig ein Feuer zu entfachen und es zu löschen.
Dieses etwas spitzmündige Zitat (1) drückt am besten aus, was es für einen Menschen bedeutet, einen Flirt einzugehen. Ein Drahtseilakt, der sorgfältig ausbalanciert werden sollte, wenn du am anderen Ende wieder in dem Zustand zurückkehren willst, mit dem du begonnen hast.
Wie attraktiv bin ich für den anderen Menschen?
Kein Wunder, dass überwiegend sehr erfahrene und selbstbewusste Frauen versuchen, die Sinne beim Flirt im Gleichgewicht zu halten. Die Grundfrage ist einfach: „Wie attraktiv bin ich in diesem Moment für den Menschen, der vor mir sitzt?“
Schon kann das Spiel mit der sinnlichen Eitelkeit beginnen. Wahrscheinlich kennst du deine Lieblingsrolle beim Flirt. Wenn nicht, dann beginnst du am besten mit etwas gespielter Naivität. Alles, was du tust, sollte so wirken, als wäre es der reine Zufall. Jedes Wort, das fällt, soll klingen, als würdest du es zum ersten Mal aussprechen. Es macht sich wirklich gut, wenn du das Gefühl mit einspielst, dich zu schämen oder ein klein wenig zu erröten. Etwas lächeln, intensiver Augenkontakt – kleine, harmlose Gesten. Sich selbst ein wenig berühren, wie sich jemand eben zufällig berührt. Oder die andere Person kurz berühren, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Oh, Pardon ...
Freude am Flirt - unabhängig von Alter und Status
In der Rolle hast du kein Alter und keinen Status – und sogar deine Orientierung kann schwanken. Über 40? Kein Problem. Das sinnliche Lächeln einer 60-jährigen Frau kann Männer zwischen 30 und 80 verzaubern. Verheiratete Frauen über 40 flirten oft heftiger als entsprechende Singlefrauen, und sie senden häufiger non-verbale Botschaften (2) aus. Bleibt die Orientierung. Eine sinnliche Unterhaltung mit einem Mann? Sehr schön, wenn er die Kunst beherrscht. Und mit einer Frau? Sehr aufregend, weil es die heimlichen Wünsche berührt. Aber doch irgendwie anders. Das Zauberwort zu beiden Welten heißt „Heteroflexibilität“ (3). Das klingt sehr gelehrt, aber es steht eigentlich nur für die Neigung, der sinnlichen Person zu verfallen – wenigstens in der Gedankenwelt.
Was wäre, wenn ...?
Manche Autorinnen nenne den Flirt eine Anwendung der „Was-wäre-wenn-Methode“. Du kostest den Flirt aus, so als wäre es schon die sinnliche Erfahrung selbst. Und du beendest ihn, um in deine Alltagswelt zurückzukehren. Oder … nun ja, oder eben.
Möglich, dass du bei deinem Gegenüber Hoffnung geweckt hast. Das ist das Risiko beim Flirt. Oder anders ausgedrückt: Alles, was du tust oder unterlässt, kann jemand anderem schaden oder nützen – oder gar nichts verändern.
(1) Das Zitat wird einer Schauspielerin zugeschrieben, dafür fanden wir aber keine Belege.
(2) Aus der Entfernung wirken hauptsächlich die Erscheinung und die Gestik. Die Mimik wirkt eher aus der Nähe.
(3) Flirts zwischen Frauen sind nicht ungewöhnlich - nachzulesen in "Bi", München 2022
Kommentare
Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt