Die Sünderin in Romanen für die Massen

Sie hat den modrigen Geruch des Verderbens, in das sich die Heldinnen und Helden der Trivialliteratur stürzen. Diese sinnliche, teuflische Süße, die Frauen und Männer verlockt, sodass sie an den Abgrund ihrer moralischen Festigkeit gelangen. Das Tänzchen an den Klippen der Lust reizt die Leserinnen und Leser - nicht allein wegen der Erotik, sondern wegen der dramatischen Zuspitzung. So sagt die Autorin Elizabeth Benedict beispielsweise über den Ehebruch:
Wenn es um das Thema Untreue geht, ist die Dramatik schon in der Begegnung mit eingebaut.
Besonders wirkungsvoll ist die Frau als Verkörperung der Sünde, die sich in knapper oder durchsichtiger Kleidung auf einem Sofa, Stuhl oder Teppich rekelt. Sie konnte eine Prostituierte, Zufallsbekanntschaft oder gar die Ehefrau eines anderen Mannes sein. Thematisch reichen die Titel von der Sünderin aus Zufall über die willige Sünderin, bis zur schamlosen Sünderin.
Immerhin – es heißt, dass die Dramatik des Geschehens bei der verbotenen Lust größer sei als die Schilderung der Details. Und insofern dürfte der eine oder andere Leser dennoch von den einfachen Plots begeistert gewesen sein.

Zítat aus: Erotik schreiben, Berlin 2002
