Ist es wahr, dass Jugendliche einander mit Sex für Leistungen oder Waren belohnen? Vor einigen Jahren gingt dies durch die Presse – begleitet von einigen merkwürdigen Studien aus der Schweiz und
Holland. Was war das? Transaktionaler Sex? „Tausch-Sex“ („Tüschli-Sex)“ oder gar „Belohnungssex“?
Was ist eigentlich transaktionaler Sex?
Die Meinungen darüber, was „transaktionaler Sex“ eigentlich ist, sind widersprüchlich. Manchmal heißt es, es handele sich um „Gelegenheitssex“, dann wieder um einen Austausch von Sex gegen Leistungen aller Art.
„Beim transaktionalen Sex ist der Sex kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um etwas anderes gegen Sex einzutauschen“.
Weil die Grenze zwischen „Gefälligkeitssex“, „Spontansex“ und „transaktionalem Sex“ fließend ist, kann nicht in jedem Fall von Prostitution gesprochen werden. Auch das moderne „Dating“ kennt Elemente von „Geben und Nehmen“, die von der Frage gelenkt werden: „Wie viel muss ich geben, und was bekomme ich dafür?“ Das Lexikon über „
Geben und Nehmen“ gibt dazu eine genauere Definition.
Der Tausch in der Beziehung - alles gegen alles andere
Eine romantische Vorstellung besagt, dass Liebe eine reine Herzensangelegenheit ist, die nicht von anderen Erwägungen getrübt werden sollte. Doch schon bei der Wahl von Freundinnen und Freuden im Jugendalter fragen sich die Menschen, von welchen dieser Beziehungen sie den höchsten Gewinn haben.
Wer als nett, freundlich, zuvorkommend oder einfühlsam gilt, bringt in eine Beziehung einen emotionalen Vorteil ein. Mit den Jahren erkennen die jungen Menschen, dass daraus eine Art Tauschhandel entsteht: Einer kann, weiß oder hat etwas, das der andere nicht kann, weiß oder besitzt. Wenn zwei Menschen ein Paar werden wollen, bringen sie auch ihre körperlichen, sozialen und erotischen Vorteile mit ein. Sie handeln dabei aus, mit wem sie den Lebensweg gestalten wollen. Ein gewisses Repertoire an sinnlichen Fähigkeiten erweist sich dabei als ebenso nützlich wie handwerkliche, soziale oder intellektuellen Fähigkeiten.
Sex als Tauschmittel – wer spielt die „Sexkarte“ aus?
Die Frage, warum ausgerechnet Sex oder mit Sex vergleichbare Handlungen als Tauschmittel verpönt sind, liegt möglicherweise an der Sichtweise. Wer die „Sexkarte“ ausspielt, wird nicht nur bezichtigt, etwas „moralisch verwerfliches“ getan zu haben, sondern auch, sich einen ungerechten Vorteil verschafft zu haben.
Zurück zum ursprünglichen Thema: Die Begriffe „Tauschsex“, oder „Tüschli-Sex“ kamen schnell in die Presse, verschwanden aber ebenso schnell wieder. Die Zahlen- und Faktenlage war einfach zu dünn, um bei den Leserinnen und Lesern das auszulösen, was sich die Presse möglicherweise gewünscht hätte:
Empörung über die Frivolitäten der Jugend..
Ein Kuss oder ein Geschenk bei einer "besonderen Gelegenheit"?
Am Ende noch ein Hinweis für Moralisten: Jeder hat seine kleinen Geheimnisse – und wenn sie so gut wie nichts bedeuten, dann erzählt man sie vielleicht sogar einem Volksbefrager. Das klingt dann so:
„Ich habe einmal einen Drink an der Bar gegen einen Kuss getauscht“. In einem Kreis von feinen Damen wird die Begünstigte wahrscheinlich errötend sagen:
„Ach, diese Handtasche hat mir einmal ein Freund bei einer besonderen Gelegenheit geschenkt.“
Weitere Quellen zum Tausch-Sex:
Österreich, ("heute.at")
Schweiz: (20 Min)
Deutschland (WELT)
"Tüschli-Sex" gab es auch mit doppeltem Umlaut: "Tüüschli-Sex"