Die falsche Schuld der Frauen

Normalerweise ist die Scham ein Zustand, in dem wir eine gewisse Diskrepanz zwischen Ideal und Realität erleben.
Heidemarie Bennent-Vahle (1)
Eine Schuld verlangt nach einer Sühne – und auf diese Weise erleben viele Frauen nicht nur Schuldgefühle, sondern glauben auch, dass sie zur Sühne verpflichtet wären.
Als „Schuldig“ gilt nach vielen ethischen, sozialen und religiösen Auffassungen die Art, in der Frauen eigene sexuelle Begierden entwickeln.
Viele Frauen fragen sich in diesem Moment, ob das „wirklich in Ordnung“ ist, und manche fürchten sogar, dass sie einen „kleinen Dachschaden“ haben. Am schlimmsten aber ist oft die Vorstellung, von der Gesellschaft verachtet zu werden.
Bedürfnisse, Scham und Lust
Das gilt für ledige Frauen ebenso wie für solche, die in Beziehungen oder Ehen leben. Niemand ist bedürfnislos – und in den meisten Menschen schlummern wilde Fantasievorstellungen.
Sowohl die Fantasien wie auch die realistischen erotischen Wünsche werden als „beschämend“ empfunden. Aus dieser Veranlagung entsteht dann das Gefühl „etwas Falsches“ zu denken oder zu empfinden.
Wenn das auch für dich gilt, dann lies einfach weiter.
Scham – das erlernte Gefühl?
Es mag sein, dass die „Scham“ ein natürliches Phänomen ist, wie viele behaupten. Aber es ist ebenso möglich, dass dir und vielen anderen Frauen ein künstliches Schamgefühl „eingepflanzt“ wurde. Wahrscheinlich hattest du keinen Anteil daran – jemand hat dafür gesorgt, dass der natürliche Anteil deines Schamgefühls „umgeleitet“ wurde.
Wie auch immer – aus der Sicht vieler Menschen ist es Scham eine Art „Entschuldigung“ vor der Gesellschaft oder den unmittelbaren betroffenen Menschen. Manche schamhafte Entschuldigung schützt auch vor Strafen und sie lindert das Gefühl, etwas „bereuen“ zu müssen. Zumal dann, wenn du gar keine Reue empfindet.
Deine Grenzen und die Grenzen der Männer
Manchmal wirst du eher auf die auf die Grenzen der Männer stoßen als auf deinen eignen, wenn du deine erotischen Bedürfnisse äußerst. Es könntet sogar sein, dass sie die Moralkeule schwingen und dir sagen, du solltest dich dafür schämen.
Scham, Schuld und Reue? Ist es wirklich nötig, sich solche Gedanken zu machen? Was ist der Sinn? Möglich, dass ihr euch schämt, doch das ändert sich mit der Zeit. Seid ihr schuldig? Solange ihr mit euren Wünschen niemandem schadet, sicher nicht. Und Reue? Was gibt es denn zu bereuen?
Gelöste Konflikte führen oft zu mehr Intimität
Immerhin ist es möglich, bereits mit den eigenen Konflikten zu hadern – das ist insbesondere dann der Fall, wenn du etwas verwirklichen willst, zugleich aber „moralische Bedenken“ hast. Dazu habe ich neulich erfahren, dass es den Menschen guttut, diesen Konflikt offenzulegen – und dadurch eine neue Intimität mit deinem Partner zu begründen.
Wenn du das kannst, dann erübrigt sich jedes weitere Wort.
Was offen bleibt
Dieser Artikel wurde weitgehend unter psychologischen oder philosophischen Aspekten veröffentlicht. Die Frage, wann udn in welcher Form wir uns schämen, bleibt allerdings weiterhin offen. Sagst du uns, wie DU dich schämst?
(1) Zitat aus: Ethik-Heute
Bild: sehpferd_archiv.