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Wie ist das eigentlich mit „einander mögen“?

Die Erwachsenen reden ganz viel von der „Liebe“. Manche von ihnen glauben, sie wüssten ganz genau, was Lieben ist, und schreiben Bücher darüber. Aber was die Liebe wirklich ist, das steht nicht in den Büchern. Forscher haben über 100 Möglichkeiten aufgeschrieben, was sie über die Liebe festgestellt haben, und das, was darin steht, kannst du nicht aussuchen wie Kochrezepte. So viel können wir aber sagen: Liebe ist das Gefühl, einander zu mögen. ....

Der Artikel ist schon umgezogen - auf realfeelingspro.

Gefühle von außen und Gefühle von innen – wie geht das?

Die meisten unserer Gefühle beginnen mit einem „Auslöser“, der von außen kommt. Der klopft dann in unserem Gehirn an und stellt es vor eine Entscheidung: Was soll jetzt damit geschehen? Wenn das Gefühl ziemlich heftig ist oder sogar eine Gefahr bedeutet, dann reagiert dein Gehirn in Millisekunden und sagt dir zum Beispiel: „Lauf weg, da vorne kommt ein bösartiger Hund.“

Wenn dein Gehirn schon oft etwas Ähnliches entschieden hat und erfolgreich war, dann speichert es seine Maßnahmen und entscheidet, was sich am besten bewährt hat. Es kann sein, dass du dann gar nicht mehr merkst, dass es überhaupt reagiert.

Darüber ist viel geforscht worden und wir wissen ziemlich sicher, wie so etwas funktioniert, auch wenn Forscher nicht „in dein Gehirn hineinsehen können“.

Gefühle kommen manchmal "von innen" auf

Gefühle, die von innen kommen, sind schwerer zu erklären. Auch dabei wird unser Gehirn aktiv – aber ohne äußeren Grund. Das liegt hauptsächlich daran, dass unser Gehirn Informationen speichern kann. Die braucht es eigentlich nur, wenn mal wieder etwas „von außen“ kommt.

Nun ist unser Gehirn aber keine Maschine, die auf einen Knopfdruck etwas Bestimmtes tut. Und das heißt, auch: Es kann in seinen Erinnerungen herumkramen und plötzlich etwas finden. Wir wissen nicht genau, warum das so ist. Jedenfalls spürst du dann ein „Gefühl, das von innen kommt“.

Hat es einen Sinn, wenn Gefühle "von innen kommen"?

Auch die Gefühle, die von innen kommen, haben einen Sinn. Zum Beispiel, wenn du kürzlich ein Erlebnis hattest, mit dem dein Gehirn nicht viel anfangen konnte. Das passiert immer dann, wenn es mit etwas anderem beschäftigt bist. Dann wartet das Gehirn, bis du bereit für eine Lösung bist. Es kann aber auch andere Gründe haben, zum Beispiel, weil es Konflikte gibt. Die bewegen dein Gehirn oft sehr lange.

Je älter du bist, umso mehr muss dein Gehirn Konflikte bearbeiten – und dazu nutzt es mit dir gemeinsam alle Erfahrungen, die in ihm gespeichert sind. Und wenn das gut geht, dann wird die neue Lösung wieder abgespeichert. Solange das funktioniert, musst du dir keine Sorgen machen.

Diese Version unseres Artikels wurde in stark vereinfachtem Deutsch geschrieben. Für alle anderen, die mehr Hintergründe erfahren wollen, steht in Kürze eine erweiterte Version zur Verfügung.

Gefühle und Körperchemie

Eine der größten Revolutionen in der Forschung über die Liebe war die einfache Tatsache, dass unser Gehirn in der Lage ist, Drogen freizugeben, die unser gewohntes Verhalten verändern.

Das alte Weltbild zerbricht

Das war im Grunde eine unglaubliche Sensation, aber sie wurde lange nicht so stark beachtet wie die Forschungen von Kopernikus, Darwin und Freud. Bekanntlich stellten alle drei (nach Freud Meinung) das menschliche Denken auf den Kopf, und daraus entstanden diese „Kränkungen“.

- Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Weltalls.
- Der Mensch hat die gleichen Wurzeln wir die Tiere.
- Ein Teil unserer Handlungen wird nicht bewusst gesteuert.

Es gibt weitere „Kränkungen“, von denen die wichtigsten genannt werden sollen:

- Der Mensch hat die Fähigkeit, automatisch zu reagieren.
- Intelligenz kann durch Maschinen nachgebildet werden.
- Der Körper und die Psyche sind nicht getrennt, sondern Teil desselben Systems.

Die letztgenannte These ist die interessanteste für das Verständnis der Gefühle. Und hier setzen auch die körpereigenen Drogen ein, die Botenstoffe oder Neurotransmitter. Sie können und sollen uns in eine bestimmte Richtung treiben, und ich will dies hier nur für die Liebe erörtern.

Die Natur verfügt über starke Drogen, die unsere Gefühle beeinflussen

Die Natur versucht im Allgemeinen, mit sehr wenig Energie auszukommen. Wer viel Energie verbraucht, muss mehr Nahrung zuführen, und Nahrung ist aus der Sicht der Säugetiernatur heraus nicht jeden Tag erhältlich. Das ist der Hauptgrund, warum die Natur versucht, alle lebenserhaltenden Prozesse zu ökonomisieren, zu rationalisieren und zu automatisieren. Mit zwei wichtigen Ausnahmen: Bei den Reaktionen auf die Furcht und bei dem Wunsch nach Fortpflanzung. Die erste Funktion sorgt für das Überleben des Individuums, das zweite für das Überleben der Art. Und der erste Schritt zur Erhaltung der Art ist bei den meisten Exemplaren der Tier- und Menschenwelt der Geschlechtsakt. Damit haben wir schon ungefähr umrissen, was passiert: Der Geschlechtsakt soll schnell, effektiv und konsequent abgewickelt werden. Um das zu gewährleisten, muss der „Sparmodus“ für Energie abgeschaltet werden und zugleich muss ein enormer Antrieb erzeugt werden, der sogar Gefahren vergessen lässt. Dazu setzt der Körper schnell wirkende Botenstoffe ein.

Der Mensch, der Sex, die Natur und die Chemie

Der Mensch „weiß“ das nicht. Er empfindet plötzlich den Drang, sich hier und jetzt geschlechtlich zu betätigen, Bedenken zurückzustecken und dabei „leichtsinnig“ vorzugehen. Die Natur baut nur eine einzige Hürde auf: Sie geht davon aus, dass die Weibchen entscheiden, welches Männchen sie befruchten darf und verweigern deshalb den anderen Interessenten die Möglichkeit.

Die Hürden der Kultur

Die Kultur hat andere Hürden aufgebaut. Sie kennt den Begriff der „Ethik“, hat moralische und rechtliche Vorstellungen unterschiedlicher Art, aber auch solche Begriffe wie „es ist üblich …“. Sitten, Gebräuche, Rituale und dergleichen sind beim Menschen abhängig von der Gesellschaft, in der er lebt. Dabei kommt ständig vor, dass der Trieb eine andere Sprache spricht als es die „guten Sitten“ tun. Wann immer dies der Fall ist, entstehen Konflikte. Daher kommt das Zögern und Zagen, das viele Menschen beim Sex empfinden.

Das geht dann so:

1. Der sexuelle Drang entsteht und richtet sich auf eine Person.
2. Diese muss eine Vorstellung davon haben, „wie es geht“,
3. Sodann müssen die „inneren Hürden“ aus verschiedenen Elementen überwunden werden.
4. Nun werden Rituale entwickelt, die entweder auf kulturellen Überlieferungen beruhen oder die sonst wie „üblich sind“.
5. Beide Personen sind sich einig und der Geschlechtsakt in der jeweiligen Art entspricht ihren Vorstellungen.


Anzumerken wäre, dass dies eine modernes, liberales und universelles Konzept ist. Es basiert nahezu ausschließlich auf der Bereitschaft der handelnden Personen.

Das also wäre die Beschreibung, in der die Botenstoffe noch nicht erwähnt wurden, sondern nur die Art ihres Einsatzes.

Ich fand eine hübsche Formulierung, die gut ausdrückt, was die Stoffe bewirken oder auch anrichten können:

Viele Wissenschaftler teilen die „Liebe” in drei Systeme auf: Leidenschaft, Lust und Bindung. Einige der Botenstoffe sind vor allem für die leidenschaftliche Phase verantwortlich, andere bestimmten die Lust. Alle drei Systeme können unabhängig voneinander agieren. Das bedeutet, dass nicht alle drei der gleichen „Meinung“ sein müssen, oder den gleichen Geschmack haben.

So gesehen, wirken also die Botenstoffe sowohl zusammen, als auch dann und wann gegeneinander.

Für die „lodernde Leidenschaft“ wird beispielsweise das Dopamin verantwortlich gemacht, ein Wirkstoff, den der Körper auch zur „Belohnung“ einsetzt.

Das Noradrenalin wirkt anregend, lustvoll und nimmt Einfluss auf die Stimmung – und was vielleicht noch wichtiger ist – es aktiviert den Körper.

Das Adrenalin ist bei uns Menschen ganz allgemein für die „schnelle Reaktion“ oder den „plötzlichen Antrieb zu Handlungen“ verantwortlich und ist deshalb ein wichtiger Mitspieler beim Sex. Es sorgt auch dafür, sich auf kaum etwas anders zu konzentrieren als das, was man vorhat – deshalb hemmt es auch Bedenken.

Zu erwähnen wäre noch das Serotonin, das im Volksmund auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird. Es ist einer der typische „Stimmungsaufheller“ unter den Botenstoffen – mit seiner Hilfe empfinden wir also das „Liebesglück“.

Einen volkstümlichen Namen hat auch das Oxytocin das „Treuehormon“ genannt wird. Tatsächlich hat es einen großen Einfluss auf die Bindung von Paaren aneinander.

Sind wir der Sklaven von Botenstoffen und Hormonen?

Wir Menschen horchen nicht ständig auf unseren Körper, und wir geben auch natürlichen Regungen nicht immer und überall nach. Zudem gelingt es uns offenbar, Stimmungen auch gedanklich anzuheben und zu vermiesen – egal, ob uns im Hintergrund Botenstoffe unterstützen oder nicht. Insofern sind wir nicht die Sklavinnen und Sklaven der Natur.

Wenn wir die „Stimme der Natur“ aber ständig unterdrücken, dann tun wir unserem Körper auch nichts Gutes.

Die beste Methode ist, auf den Körper zu hören und seine Bedürfnisse mit Bedacht umzusetzen.

Wie spielen Natur, Chemie und Wille zusammen?

Die offene Frage: Weiß man nun, wie Gefühle genau entstehen, wie sie sich auswirken und wie man sie beeinflussen kann? Nein, man weiß es nicht, aber es gibt Ursachen, Tendenzen für die mögliche Wirkung und tatsächliche, nachvollziehbare Auswirkungen.

Eine meiner Quellen: WDR/Quarks

Teil nn aus Kapitel 2 der Online-Reihe "Fühlen ist ein seltsames Gefühl". Eine stark vereinfachte Version für Grundschüler steht ebenfalls zur Verfügung. Dies ist die Version für Lehrende und Lernende.